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Eine Panikattacke rollt heran, ich hyperventiliere, als mein Mann vorletzte Woche von einem Vorstellungsgespräch zurückkommt und sagt: „Hase! Wir verlassen München und ziehen nach Heidenheim!“ WHAT?

LAUT GOOGLE liegt der Ort 158 km westlich von München und mit dem Auto sind es 1:40! Das kann doch nicht sein Ernst sein! Zum Studieren endlich raus aus der Provinz in eine Großstadt gezogen und nun soll ich dorthin zurück?

 

 >>>  Z Z Z Z Z   I C H   B I N   D O C H   N I C H T   B E K L O P P T  <<<

 >>>  I C H   B I N   D O C H   J E T Z T   E I N E   G R O SSS T A D T   M U D D I  <<<

>>  U N D   I C H   L I E B E   M Ü N C H E N  <<<

 

Und ich liebe meine Freunde, meine Hood! Meine Stamm-Cafés, all die Restaurants, unseren Park, die vielen Menschen auf den Straßen!

>>>   24 STUNDEN SPÄTER HABEN SICH MEINE NERVEN BERUHIGT   <<<

Ich kriege wieder Luft! Die Panik hat sich ein bissel gelegt. Systematisch versuche ich das Wort K-l-e-i-n-s-t-a-d-t zu entdramatisieren und mich auf all das zu besinnen was mir wichtig ist. Das tue ich alle Jubeljahre eh, wenn ich das Gefühl habe auf der Stelle zu treten oder etwas Unvorhersehbares passiert (wie jetzt). Funktioniert eigentlich immer: Dabei stelle ich mein Leben von Kopf bis Fuss in Frage und selektiere mit großer Sorgfalt. Dieses Mal dämmert mir direkt etwas: Habe ich das Großstadt-Leben vielleicht ein wenig idealisiert? Ist es wirklich das, was ich will?

>>>   SCHNELL MAL ZUSAMMENGEFASST   <<<

Ich bin aufgewachsen am Rande einer Kleinstadt. Hatte eine wirklich schöne, unbeschwerte, provinzielle Kindheit und konnte es dennoch kaum erwarten die Welt zu entdecken. Es verschlug mich zunächst nach Hannover, zwischendurch nach London und später nach Hamburg, ich habe viele Wochen in China und in New York verbracht. Mein Lebenslauf liest sich also ganz nett 🙂 Als ich schließlich mit meinem Mann nach München zog, war uns schnell klar, hier wollen wir bleiben. Die Berge, das Klima, die Stadt, die Menschen. All das passte wie Arsch auf Eimer. Es war nie eine Option wieder in eine Kleinstadt zu ziehen.

>>>   ZUMINDEST BIS MEINE TOCHTER ZUR WELT KAM   <<<

Und all die Möglichkeiten, die uns eine Großstadt bietet (Cafes, Restaurants, etc), hatten mit einem Schlag überhaupt keinen Mehrwert mehr: Freunde treffen wir seitdem zu Hause zum Brunch, zum Kaffee, auf dem Spielplatz oder auf einen Spaziergang durch den nahe liegenden Park. Weil meine Tochter dann mehr davon hat: entweder sie schläft oder sie spielt. Ins Cafe oder ins Restaurant gehen wir seitdem nur noch, wenn es eine Spielecke gibt!

Den Großteil der Zeit verbringen wir also draußen, sowie in unserer oder einer anderen Konservenbüchse mitten in München. Alles, was fussläufig erreichbar ist, kaufen wir persönlich, alles andere bestellen wir im Internet anstatt mit der überfüllten U-Bahn in die Innenstadt zu gurken.

>>>  WAS HÄLT UNS HIER EIGENTLICH NOCH ?  <<<

Während alte Freunde in unserer Heimat mittlerweile Häuser bauen, wissen wir, dass wir uns das hier in München niemals leisten können. Das ist mittlerweile wirklich frustrierend und ich beneide jeden, der es sich leisten kann! Denn egal wie viel wir uns im Leben abrackern werden, es ist und bleibt zu teuer! Dabei haben mein Mann und ich wirklich diese Sehnsucht nach einem ruhigeren Leben, einem Haus mit Garten…wie bei „Haus am See“ von Peter Fox:

>>>   Und am Ende der Straße steht ein Haus am See.
Orangenbaumblätter liegen auf dem Weg.
Ich hab 20 Kinder, meine Frau ist schön.
Alle komm’n vorbei, ich brauch nie rauszugehen.

Hier bin ich gebor’n, hier werd ich begraben.
Hab taube Ohr’n, ’nen weißen Bart und sitz im Garten.
Meine 100 Enkel spielen Cricket auf’m Rasen.
Wenn ich so daran denke, kann ich’s eigentlich kaum erwarten.  <<<

NUR MAL SO FANTASIERT Falls wir nach Heidenheim zögen, würde ich den Großteil der Zeit in meinem Häuschen mit Provinzfeeling leben. Während meine Tochter mit Nachbarskindern in unserem Garten spielt, ernte ich Äpfel und Erdbeeren – aus eigener Anzucht YEAH.

Ich hätte mein eigenes Arbeitszimmer um an meinem Blog und anderen Projekten zu arbeiten (Wer braucht in Zeiten von Skype noch einen Büro-Schreibtisch?). Und wenn mich das Münchenweh packen sollte, düse ich einfach mit unserem Auto und der Kleinen und dem Mann oder ganz alleine rüber und tanke Großstadtenergie! Im Gegenzug hätten unsere Freunde und Familie bei uns ein eigenes Gästezimmer, welches so schön eingerichtet wäre, dass sie am liebsten dort wohnen blieben 🙂

>>>  WO MUSS ICH UNTERSCHREIBEN ?  <<<

WIR BESUCHTEN DEN WEISSEN FLECK AUF DER LANDKARTE eine Woche nach dem Vorstellungsgespräch. Der Plan: wir schauen uns den Ort an und hören auf unser Bauchgefühl: Als wir losfahren regnet es (mein Bauch so: TOLLER START). Aber tatsächlich ist der Flecken Erde gar nicht so schlimm. Klein aber fein und hier und da wirklich knuffig (OCH). Viele hübsch restaurierte Fachwerkhäuschen und kleine Gässchen mit Restaurants und Cafés (SAG EI MAL). Ein gut ausgestatteter Wochenmarkt zwei mal die Woche (BOAHHH). Mein Mann könnte zu Fuß zur Arbeit laufen(HELLLOOO). Schon während der Rückfahrt sagt mir mein Bauchgefühl unüberhörbar: DO IT! Mein Mann hatte seine Entscheidung längst getroffen.

>>>  KRASS, WIR WERDEN PROVINZLER !  <<<

WAS WIRD SICH ÄNDERN IN UNSEREM LEBEN? Die Treffen und Besuche mit Freunden werden anders sein – dafür aber sicher intensiver. Anstatt ins Restaurant zu gehen werden wir mehr zusammen kochen, Musik hören, lange Abende auf der Terrasse mit viel Wein verbringen und die Kinder spielen drum herum – hachhhh wie in der italienischen Großfamilie! Anstatt eines Stadtbummels würden wir öfter raus in die Natur gehen und die Umgebung erkunden.

>>>  EY KLINGT DAS NICHT BEZAUBERND ?  <<<

AIAIAI kaum hört man mal wieder auf sein Bauchgefühl, schon hat man direkt ein neues Problem: Ich will am liebsten sofort umziehen, streichen, dekorieren, Freunde einladen zum Wein-Terassen-Wochenende YEAH! Stattdessen tue ich das, was ich gar nicht gut kann: Ich übe mich in Geduld haha 🙂

Alles Liebe deine Heike