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Die einen finden vollgeschissene Windeln eklig, mir graute es dagegen vor dem Geschmaddder beim Breiessen. Bei dem Wort B-E-I-K-O-S-T  spielten sich in meinem Kopf Horrorszenen ab; Ich sah Muttis, die ihrem Nachwuchs mit blossem Finger den Mund abwischen und dann – gütiger Gott – ihren eigenen Finger sauberlecken. BÄÄÄHHH…

Man könnte wohl sagen, ich tat mich mit diesem Thema schwer. Daher vermied ich es solange es ging mit der Beikost zu starten. Das übernahm dann kurzerhand meine Tochter mit 7 Monaten selbst – sie forderte es lautstark ein von unseren Tellern zu probieren. Nun war es unausweichlich 🙂

>>>  BABYBREI SELBER KOCHEN – SAUEINFACH   <<<

ALSO GUT, dachte ich, man wächst mit seinen Aufgaben. Weil ich die Babykost im Gläschen schon immer ein bisschen unappetitlich fand, begann ich den Brei einfach mal selber zu kochen, was sich als mega easy herausstellte: Gemüse und Kartoffeln rein in den Topf, kochen, zerdrücken oder pürieren, Raps-Öl, O-Saft, fertig! Brei rein in den Schlund und ZACK klebt Brei in Baby’s Gesicht, an meinen Händen, auf dem Tisch und auf dem Boden. Meine Nerven waren – ähm – angespannt!

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>>>   BABY WILL NICHT SO WIE ICH   <<<

Alles lief aber tatsächlich total super mit dem selbstgekochtem Brei. Bis ich beschloss für unsere 6-wöchige Südafrika-Reise doch mal ein paar fertige Gläschen auszuprobieren – denn das Kochen und Einfrieren würde unterwegs schon ziemlich umständlich sein. Wir testeten daher ein paar Produkte, was mich schnell an den Rande des Wahnsinns brachte. Denn bis auf wenige Ausnahmen verweigerte meine Tochter beinahe alle Gemüsebreie nach nur einem einzigen Löffel. Sie verzog das Gesicht, brüllte mich entsetzt an und riss die Schüssel vom Tisch – KLATSCH! Irgendwie konnte ich sie sogar verstehen; Denn im Vergleich zu den frisch zubereiteten Breien waren die Gläschen einfach komplett geschmacksneutral! Ganz wenige Sorten schien sie zum Glück dann aber doch zu essen. Leider nur kurz! Nach wenigen Tagen auf unserer Reise begann sie jedoch auch diese Sorten ausnahmslos zu verweigern, und ein riesiges Tamtam darum machen.

>>>   PLANÄNDERUNG !!!   <<<

Glücklicherweise erinnerte ich mich an die BLW-Methode (Baby led weaning), von der mir meine Hebamme im Wochenbett erzählt hatte. Damals stopfte ich diese Methode direkt in die „man muss es nicht übertreiben“-Schublade, aber zu diesem Zeitpunkt fiel mir nix besseres ein und wir probierten es damit.

>>>   WAS IST BABY LED WEANING ?  <<<

Die Methode beinhaltet, dass man bei der Beikost-Einführung dem Kind das Essen ANBIETET, anstatt zu FÜTTERN. Ein elementarer Unterschied! Verschiedenes, weich gekochtes Gemüse oder weiches Obst wird dabei in Fingerfoodgröße geschnitten und vor dem Baby platziert. Dieses kann nun selbst entscheiden, was es davon isst und was nicht. Dabei muss es das Fingerfood mit den eigenen Händen greifen und selber zum Mund führen. Etwas später kann man auch Fleisch, Fisch, Brot und sogar jeden dickeren Brei als Fingerfood anbieten. Im Prinzip ist beinahe alles verwendbar, solange es weich und allein durch Baby’s Kauleiste zu zerdrücken ist.

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>>>  CHECK !  <<<

ES FUNKTIONIERTE! Unsere Tochter wollte scheinbar einfach selber essen! Sie hatte einen Riesen Spaß dabei das Essen zu greifen, zu zerdrücken und selber in ihren Mund zu befördern. Mit ihren mittlerweile 8 Monaten klappte das Greifen auch wirklich gut. Was sie nicht essen möchte, landet dann gerne mal auf dem Boden. So eine Mahlzeit dauert natürlich länger und der Tisch und Boden ist nicht immer picobello sauber hinterher, aber wir Eltern konnten dadurch zur selben Zeit viel entspannter speisen und mussten nicht permanent den Löffel schwingen. WINWIN YEAH!

>>>   OHHHMMM – ENTSPANNT UND FLEXIBEL BLEIBEN  <<<

DIESE ERKENNTNIS hat mir am allermeisten geholfen. Wenn man die Beikosteinführung zu dogmatisch sieht und versucht sich an die Einführungspläne im Internet zu klammern, schränkt man sich selber ziemlich stark ein. Daher sollte man diese eher als Inspiration betrachten und ansonsten einfach viel rumprobieren und versuchen die Neugierde des Babys zu wecken! Und das funktioniert – meiner Meinung nach – am besten über den Spassfaktor; MIT DEM ESSEN MUSS DAHER UNBEDINGT GESPIELT WERDEN. Um die Feinheiten kümmern wir uns später 😉 Was das Baby dann verträgt, merkt man beim nächsten Windelwechsel! Was es mag und was nicht zeigt es einem ebenso eindeutig!

>>>  GENUG NÄHRSTOFFE DURCH ERGÄNZENDES STILLEN  <<<

Grundsätzlich darf nach jeder Mahlzeit und bei Bedarf gestillt werden. Insbesondere am Anfang sind die kleinen Mengen Essen noch nicht ausreichend sättigend. Außerdem werden Tage oder Wochen kommen, wo das Baby das Essen aus irgendeinem Grund teilweise oder komplett verweigert. Da sorgt man sich schnell ob es auch alle wichtigen Nährstoffe erhält. Wenn man aber neben der Beikost nach Bedarf begleitend weiterstillt, werden alle fehlenden Nährstoffe ausreichend aufgefüllt. Die WHO rät offiziell dazu bis zum 2. Lebensjahr ergänzend zu stillen. Unter anderem weil wachsende Kleinkinder einen guten Nährstoff Haushalt benötigen, was durch das Stillen gesichert ist. (Hier eine schöne Broschüre dazu.)

>>>  PUHHH – EIN BISSEL ORGANISATION MUSS HALT SEIN <<<

Die Zeit, als ich meine Tochter ausschliesslich gestillt habe, war bei uns herrlich unorganisiert. Wir liebten es in den Tag hineinzuleben und einfach das zu tun wonach uns war. Für die ersten Monate war dieser Lebensstil perfekt um mich auf die Bedürfnisse meines Babys zu konzentrieren.

Aber spätestens als mein Mann im siebten Monat seine Elternzeit begann und zu uns stiess, war es an der Zeit mehr Struktur in unseren Alltag zu bringen. Weil meine Tochter nun außerdem Bock hatte zu essen, mussten wir nicht nur unser Eigenes, sondern auch das Babyessen planen und vorbereiten. Das bedeutete tatsächlich ein wenig Organisation. Erst recht, wenn man keine Gläschen verfüttern möchte und selbst keine Fertigpizza essen mag.

Ich kann immer wieder nur betonen, wie sehr es sich lohnt das Babyessen selbst zu kochen. Es schmeckt einfach viel besser!!! Und mit ein wenig Fantasie kann man ein Gericht mit den gleichen Zutaten baby- oder erwachsenentauglich zubereiten, so dass der zeitliche Aufwand auch relativ gering bleibt. Ach und wenn man immer wieder Reste einfriert, hat man immer was parat, wenn es doch mal schnell gehen muss.

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>>>  VORRAT AN UNVERZICHTBAREN LEBENSMITTELN ANLEGEN  <<<

Da die Nahrung eines Babys und Kleinkindes vor allem aus Gemüse und Obst bestehen sollte, haben wir eigentlich immer Bananen und Avocado (beides weich), sowie weitere saisonale Gemüsesorten und Obst daheim. All das hole ich am liebsten bei meinem kleinen Obsthändler des Vertrauens anstatt im Supermarkt. Denn der weiss genau, welche Birne schon weich genug ist um es einem Baby zu geben! Zusätzlich haben wir immer Nudeln, Zwieback (Alnatura/Dinkel), auflösbare Getreideflocken und Baby-Basismüsli in der Vorratskammer. Ich persönlich koche nicht so häufig mit Fleisch (weil ich es nicht zu jedem Essen mag). Aus diesem Grund habe ich zudem immer Mandelmuss (Drogerie) im Haus, ein super Eisenlieferant auch für das Babyessen. Und Rapsöl (mit seinen guten Omega-3-Fettsäuren) haben wir selbstverständlich auch immer da.

>>>  JUHU ENDLICH FAMILIENESSEN  <<<

Seit meine Tochter Pi mal Daumen 1 Jahr alt ist koche ich nicht mehr extra, sondern sie bekommt bis auf wenige Ausnahmen (wenig gewürzt/nicht gesüsst/nicht scharf) das gleiche Essen wie wir; Das Familienessen. Die Vielfalt an Gerichten und Lebensmitteln hat sich dadurch multipliziert. Das macht die Organisation wesentlich leichter. Ich achte lediglich darauf, dass die Mahlzeiten immer recht vielfältig sind, damit meine Tochter essen kann worauf sie Lust hat – und sich ihre natürlichen Instinkte bewahrt. Denn der Körper weiss eigentlich von Natur aus was er benötigt.

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>>>   MIT DEM LÖFFEL SELBER ESSEN   <<<

Das klingt alles so Friede Freude Eierkuchen, aber auch bei uns bringt jede neue Woche immer wieder eine Challenge mit sich. Die aktuelle: Selber mit dem Löffel essen. Und kackegal wie dreckig alles hinterher ist, sie soll ausprobieren wie ein Weltmeister! Und tatsächlich picke ich neuerdings die Essensreste mit dem bloßen Finger auf, wer hätte das gedacht 😉

Alles liebe deine Heike