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„Stillst du noch?“ werde ich gerade häufig gefragt. Ähmmm „kackst du noch?“ würde ich dann gerne fragen…

>>>   VORSICHT EMOTIONALER ARTIKEL MIT GANZ VIEL FÄKAL SPRACHE 🙂   <<<

Heiliger BimBam! Ehrlich, diese Smalltalk-Frage geht mir so doll auf den Keks. Ich werde das wirklich sehr häufig gefragt seit meine Tochter ca 6 Monate alt ist. Diese Frage hat meist so einen Unterton, der mir suggeriert, dass es ungewöhnlich oder gar seltsam sei die Frage dann mit JA zu beantworten.

>>>   „JA ICH STILLE NOCH“   <<<

Das antworte ich dann mit den Hufen scharrend! Weil mein 1-jähriges Mädchen beim Zubettgehen halt am allerbesten an der Brust einschläft. Und weil sie beim darauf folgenden Wachwerden am schnellsten weiterschläft, wenn ich sie kurz andocken lasse. Und weil sie in der Nacht Nähe braucht – erst recht wenn sie gerade zahnt, wächst oder einfach a bissel nuckeln will. In manchen Nächten nuckelt sie gefühlt die ganze Nacht und ich lass sie dann einfach neben mir liegen. Weil die Nächte so deutlich erholsamer sind als wenn ich jedes mal versuchen würde sie nach dem Einschlafen wieder ins eigene Bett zu befördern.

>>>   WARUM REGT MICH DANN DIESE FRAGE SO AUF ?   <<<

Weil es mich ankotzt, wie unsere Gesellschaft ständig vergisst, wozu die Brüste gedacht sind: Die Mamas dieser Welt nutzen ihre Brüste seit Menschengedenken dazu Babys und Kleinkinder zu ernähren, zu beruhigen, damit sie einschlafen oder weiterschlafen! Ich kann all die Diskussionen in den Medien nicht mehr hören – darüber, ob es nun ok sei in der Öffentlichkeit zu stillen oder nicht. SELBSTVERSTÄNDLICH IST ES OK IHR SPIESSER! Und ich möchte ebenso kotzen bei all den dämlichen Ratschlägen von fragwürdigen, professionell erscheinenden Ratgeber-Webseiten – wo davor gewarnt wird sein Baby an der Brust einschlafen zu lassen, es könnte sich daran gewöhnen oder man könnte es gar damit zu sehr verwöhnen! EXCUSE ME? Ein Baby unter einem Jahr kann man doch gar nicht genug verwöhnen!!! Und was wäre eigentlich so schlimm an einer Gewöhnung? Es funktioniert doch ausgezeichnet!

Solche Artikel suggerieren mir, dass mit meinem Baby irgendetwas nicht stimmt, wenn es nach der Brust verlangt aus einem anderen Grund als Nahrungsaufnahme. Und ich bekomme das Gefühl, dass ich als Mutter etwas falsch mache wenn ich das nicht schnellstens unterbinde. Die Kommentare unter solchen Artikeln sind reinstes Entertainment! Und sie zeigen deutlich, wie unrealistisch viele dieser gut gemeinten Ratschläge sind.

>>>  KACK SCHUBLADE   <<<

Ich gebe zu, dass ich vor der Geburt unserer Tochter auch wenig über das Stillen wusste. Langzeitstillende gehörten für mich in die Schublade „ÖKO HIPPIE MAMA“. Und mit dieser Vorstellung stehe ich keinesfalls alleine da. Dabei ist dieses Langzeitstillen bei uns in Deutschland (in vielen Ländern und Kulturen ist es vollkommen selbstverständlich) viel verbreiteter als die Allgemeinheit so denkt. Nur kaum jemand redet darüber. Warum eigentlich nicht? Dabei wäre es so einfach diese dämlichen Klischees zu durchbrechen! Es müssten nur viel mehr Mamas klar kommunizieren, dass sie ihr Kind SELBSTVERSTÄNDLICH länger stillen und sie müssten dies eben auch selbstbewusst in der Öffentlichkeit tun. Wenn es genug Frauen täten, würde kaum jemand einen Gedanken daran verschwenden sich öffentlich darüber zu echauffieren. HACH WÄR DAS SCHEE!

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>>>   SCHEISSE, WOVOR HABEN WIR EIGENTLICH ANGST   <<<

Außerdem sind da noch diese dämlichen Unsicherheiten, die man als werdenden Mami schon früh mit sich rumträgt: „Klappt das auch mit dem Stillen, werde ich genug Milch haben?“ Ich erinnere mich daran, dass ich richtig Angst hatte diesbezüglich zu versagen. Und auch bei Freunden und Bekannten höre ich immer wieder dieselben Unsicherheiten heraus. Woher kommen diese Ängste?

>>>   WARUM ZWEIFELN WIR AN ETWAS, WAS VON DER NATUR SO VORGESEHEN IST ?   <<<

Bei unseren Eltern war das Stillen verpönt, wie mir meine Mutter und andere Mütter bestätigten. Die Babys wurden wenn überhaupt wenige Wochen gestillt, oder gleich mit Fertigmilch ernährt. „Es floss einfach keine Milch“, „meine Milch machte nicht satt“ und noch vieles mehr hört man häufig als Erklärung. Es gibt viele Berichte darüber im Internet zu lesen, welche Gründe und Ursachen in dieser Zeit dazu führten, dass das Stillen so einen schlechten Ruf hatte. Aber das führt an dieser Stelle zu weit. Logisch erscheint mir aber, dass unsere Ängste hauptsächlich auf diesen Geschichten beruhen. Mich hat meine Mutter ausnahmsweise 13 Monate lang gestillt und war damit ein Exot in der damaligen Zeit. Sie hatte aber auch keine Wahl, da ich jede Form der Beikosteinführung verweigerte und 3 ältere Mäuler gestopft werden mussten. Mich dann doch längere Zeit zu stillen war daher schlicht und einfach praktisch .

>>>   EMPFEHLUNGEN DER WHO   <<<

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt derzeit ein Baby 6 Monate voll zu stillen und rät dazu bis zum 2.Lebensjahr weiterhin ergänzend zu stillen. Das Wissen über die Vorteile der Muttermilch gegenüber Fertigmilch ist unumstritten und das hat man als werdende Mutti in der heutigen Zeit verinnerlicht (Vorbeugung vieler Krankheiten, Schützende Wirkung vor Infekten, sichert Aufnahme aller wichtigen Nährstoffen, Stärkung der Bindung zwischen Mutter und Kind, etc).

>>>   YEAH, LASST UNS NOCH EINE SCHUBLADE AUFMACHEN   <<<

Die perfekte Großstadt-Mutti von heute achtet auf eine gesunde und bewusste Ernährung und kauft vorwiegend Lebensmittel mit Bioqualität. Selbstverständlich möchte sie ihr Kind mit der bestmöglichen Methode ernähren. Logo, da will sie das stillen natürlich unbedingt probieren, denn sie kennt die guten Eigenschaften der Muttermilch aus dem Effeff.

So in etwa empfinde ich die gegenwärtige Stimmung zum Thema stillen. JAAAAA die perfekte Mutti gibt es nicht und es ist Unsinn danach zu streben, das weiss ich und das wissen alle anderen ja auch! Aber trotzdem liegt derzeit auch in anderen Lebensbereichen so eine Besessenheit in der Luft bei allem nach Perfektionismus zu streben: Bevor man Kinder zeugt, brauch man das perfekte Abitur um den perfekten Studienplatz zu erlangen, danach will man die perfekte Wohnung, den perfekten Partner, den perfekten Job, die perfekte Figur, den perfekten Abenteuerurlaub, das perfekte Brautkleid, die perfekten Weingläser, das perfekte blablabla…das klingt so snobbig ich muss brechen. Und dennoch verfalle auch ich regelmässig in diesen Wahn.

Naja und dieser Perfektionismus geht dann in die zweite Runde wenn man schwanger wird, selbstverständlich zum perfekten Zeitpunkt. Mit dem perfekten Mann. Dank Schwangerschafts-App ist man perfekt über jede Schwangerschaftswoche informiert, sucht den perfekten Kinderwagen und die perfekte Autoschale aus, recherchiert das perfekte Krankenhaus und den perfekten Rückbildungskurs, sucht die perfekte Wandfarbe für das Babyzimmer aus und und und bla und blub! Und JAAAAA genauso erging es mir während meiner Schwangerschaft natürlich auch! Und PENG kommt schließlich doch vieles total anders als man denkt und das ist auch gut so! Denn es lenkt davon ab, dass nichts perfekt sein muss, sondern nur die Momente zählen. Und dass alles genau so richtig ist, was man unvorbereitet aus dem Bauch heraus tut und entscheidet.

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>>>   GEBURT OHNE PDA – SPINN ICH ODER WAS !  <<<

Glücklicherweise hatte ich neben der ganzen perfekten Vorbereitung trotzdem das Bedürfnis, alles rund um die Geburt so natürlich wie möglich geschehen zu lassen. Mir war es wichtig, nach Möglichkeit auf eine PDA, auf einen Dammschnitt und wenn möglich auf eine Geburtseinleitung zu verzichten. Die erstaunten oder irritierten Blicke von einigen jungen Muttis oder Schwangeren waren schon krass, wenn ich von diesem Vorhaben erzählte. Denn tatsächlich hört man von allen Seiten im Vorfeld so viele Horrorgeschichten über das Thema Geburt, sodass sich scheinbar kaum jemand eine natürliche Geburt mehr zutraut.

Nichtsdestotrotz besann ich mich auf mein Urvertrauen, dass mein Körper schon wissen wird was er tun muss, schließlich trägt er das Wissen darüber längst in seinen Genen. Im nach hinein bin ich so froh meiner Intuition und meinen Instinkten vertraut zu haben, denn so wurde die Geburt tatsächlich ein wundervolles Erlebnis. Nicht alles lief perfekt und natürlich hatte ich Schmerzen. Aber ich wusste, dass ich das durchstehen werde! Ich bin total stolz darauf, was mein Körper in dieser Zeit geleistet hat und jetzt aktuell in der Stillzeit immer noch leistet. Ich möchte nicht propagieren, dass man keine Schmerzmittel nehmen soll, sondern vielmehr, dass man seinem Körper einfach mehr zutrauen kann!

>>>   Wir alle können viel viel mehr als man uns weismachen will! Wir haben die perfekten Körper ein Baby auf die Welt zu bringen und es zu versorgen ohne jemals nur ein Wort darüber gehört oder gelesen zu haben. Weil wir das Wissen der Natur in uns tragen. Das ist doch unglaublich! ALSO SEID STOLZ, STILLT SOLANGE ES EUCH TAUGT UND REDET VERDAMMT NOCH MAL DARÜBER 🙂 PUNKT   <<<

Das Wort zum ähhh Montag 🙂

Alles Liebe, deine Heike

Ergeht es dir ähnlich wie mir? Schreib mir!

 

Eine mega geile Seite zum Thema Stillen:

http://www.stillkinder.de